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Stormarner Tageblatt 01.08.2019

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Veröffentlicht in Presse · 1 August 2019
Den Artikel im Stormarner Tageblatt finden Sie auch unter
https://www.shz.de/lokales/stormarner-tageblatt/verborgene-und-andere-gesichter-id25002937.html

Bad Oldesloe |   Scherenschnitte hat so gut wie jeder schon einmal angefertigt, sei es  als Kind oder später zusammen mit den eigenen Kindern beim Basteln. Das  Prinzip ist ganz einfach: Ein Blatt Papier wird gefaltet und dann ein  Muster vom Rand her ausgeschnitten. „Ich mache Scherenschnitte schon  seit mindestens 30 Jahren. Ich setze mich hin und lege dann einfach los,  ohne groß nachzudenken“, sagt Jens-Michael Gumpert.

 
Der Grabauer lässt sich bei seiner Arbeit hauptsächlich von seiner  Inspiration leiten und dabei entstehen interessante Werke, die er immer  weiter perfektioniert hat. Anfang September wird Jens-Michael Gumpert  seine filigranen Werke im Foyer des Kultur- und Bildungszentrums (Kub)  im Beer-Yaacov-Weg 1 ausstellen.

 
Der Scherenschnitt ist eine uralte Kunsttechnik, die ursprünglich in  Nordchina beheimatet war und eine der ältesten Volkskünste Chinas ist.  In Deutschland war der Scherenschnitt in der Kultur der Goethezeit und  des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Bei dieser besonderen  Faltschnitttechnik faltet man das Papier in der Mitte und schneidet  somit nur die Hälfte aus. Wenn man dann das Papier auseinanderfaltet hat  man ein spiegelgleiches Bild.

 
Man kann das Papier natürlich auch zu noch kleineren Teilen falten,  bevor es beschnitten wird. Dadurch entsteht ein ein- oder mehrfach  axialsymmetrisches Motiv. Bei den Werken von Gumpert entstehen in erster  Linie Gesichter, aber auch Pflanzen und fast archaisch anmutende  Motive. Fast alle Werke sind symmetrisch und über ein oder zwei Achsen  gespiegelt. Manchmal faltet Jens-Michael Gumpert das Papier aber auch  asymmetrisch. Die Schnitte selbst entstehen quasi nebenbei und immer,  wenn ihm danach zumute ist. Auf diese Weise entstehen fantasievolle  Motive, die unbewusst mit Schere und Papier umgesetzt werden. Manchmal  entstehen dabei auch Tiere. Aber immer ist es ein konkretes Motiv, das  den Betrachter neugierig machen soll. „Ich liebe die Symmetrie, sie  macht mir einfach große Freude“, so Gumpert. Es sei immer wieder  spannend, was dabei heraus komme.
 
„Seit ich in Rente bin und mehr Zeit für mich habe, probiere ich mehr  aus. Ich lege weiße Schnitte auf schwarzen Untergrund, spiele herum und  lege sie in jede Richtung oder kombiniere auch mehrere Schnitte ohne  groß nachzudenken. Da sieht dann jeder etwas anderes, und das ist das  Besondere“, erzählt der gebürtige Berliner, der lange als Facharzt für  psychotherapeutische Medizin in Hamburg arbeitete. Der Sohn eines  Journalisten schreibt aber auch seit seinem 14. Lebensjahr  Kurzgeschichten und Gedichte sowie Romane, die er erfolgreich  veröffentlichte.

 
Auch beim Schreiben habe er nie groß nachgedacht. „Entscheidend ist  der Einfall im Moment“, betont der 71-Jährige. „Deshalb schreibe ich  ganz langsam, da bin ich eher eine Schnecke“, gesteht Gumpert. Schneller  gehe ihm da das Schneiden mit einer ganz normalen kleinen Schere von  der Hand, da sei er recht flott, lacht der Vater zweier erwachsener  Kinder. „Ich schneide etwa 15 Minuten lang und dann gucke ich, wie es  aussieht.“

 
Seine Werke entstehen immer auf DIN- A4-Papier. Sie werden  anschließend kopiert und vergrößert, bevor sie im Hochdruckverfahren auf  Leinwand gedruckt werden – ein aufwändiges und teures Verfahren, das  Gumpert „Special Faces Print Art“ nennt. „Ich habe mich da mit einem  Buchdrucker zusammen getan und entwerfe aus den Scherenschnitten  perfekte Druckvorlagen“, so Gumpert. Die Leinwand wird mit Acrylfarbe  bemalt, bevor das Motiv aufgedruckt wird. Einige Bilder werden im so  genannten Alu-Dibond-Verfahren auf Aluminium gedruckt. „Über das  jeweilige Verfahren und den Hintergrund entscheide ich spontan“, sagt  der Grabauer, der die Originale stets selbst behält. Rund 30  Profiversionen lässt er pro Motiv drucken, die dann zum Verkauf stehen.  „Ich hatte schon als Kind großes Interesse an Menschen, wer sie sind und  was sie bewegt“, erzählt Gumpert. „Und ich will Menschen für etwas  interessieren, begeistern und erfreuen“, so der Künstler, der sich stets  fragt, was sich hinter den sichtbaren Dingen verbergen könnte. „Jeder  lebt in seiner eigenen Welt und man tut, was dazu passt.“

 
Der Titel der Ausstellung, die am  Sonntag, 8. September, um 11 Uhr im Kub, Beer-Yaacov-Weg 1, eröffnet  wird, lautet: „Verborgene und andere Gesichter.“ Jens-Michael Gumpert  wird bei der Vernissage anwesend sein und für Gespräche zur Verfügung  stehen. Die Ausstellung kann bis Sonntag, 22. September zu den  Öffnungszeiten des Kubs besichtigt werden.

Quelle: https://www.shz.de/25002937 ©2019


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